Erstmals haben sich auf Einladung des "Gesprächskreises
Informatik" am 22. und 23. April 1999 in Erfurt Informatikerinnen und Informatiker
mit Lehrerinnen und Lehrern, Vertreterinnen und Vertretern der Erziehungswissenschaft,
Didaktik, Schulpsychologie, aber auch der Politik sowie der Eltern- und
Schülerschaft aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu
einem interdisziplinären Symposium zusammengefunden. Unter dem Titel
"Wissen und Lernen - Was trägt die Informatik zum Unterricht bei?"
wurde diskutiert, unter welchen Grundsätzen künftiger Schulentwicklung
den Herausforderungen der Informationsgesellschaft begegnet werden kann.
Diese Diskussion hat zu den folgenden zehn Thesen geführt.
These 1:
Der Umgang mit Information ist neben den traditionellen
Kulturtechniken des Lesens, Schreibens und Rechnens eine weitere unverzichtbare
Grundkompetenz geworden.
These 2:
Dies bedeutet, daß für den Erwerb dieser
Kompetenz im Rahmen der aktuellen Schulentwicklung ein fester unterrichtlicher
Ort vorgesehen werden muß - wie beispielsweise für schreiben
und lesen.
These 3:
Für die unterrichtliche Einbettung ist ein
Fundament zu definieren, das - wie bei den anderen Kulturtechniken - sowohl
als eigenständiger Unterricht zu verankern als auch bei anderen Fächern
in Stundentafel und Rahmenpläne zu integrieren ist.
These 4:
Dies erfordert die Entwicklung eines Gesamtkonzepts
für eine informatische Bildung, die alle Schulstufen und alle Schularten
umfaßt.
These 5:
Für alle Unterrichtsfächer gilt: Inhalte,
Methodik und Organisation sind durch den informatikspezifischen Umgang
mit Information neu zu bestimmen. Insbesondere sind hier alle Fachdidaktiken
aufgerufen, zu verdeutlichen, welche Beiträge das jeweilige Fach hierbei
leisten kann.
These 6:
Verpflichtender Informatikunterricht ist in der
Sekundarstufe I unabdingbar zur Bereitstellung der erforderlichen Methoden,
Kenntnisse und Fähigkeiten, z. B:
These 8:
In der Öffentlichkeit herrscht ein falsches
Bild der Informatik vor (Programmierkurse, Hacken), das insbesondere Mädchen
abschreckt. Nicht das Werkzeug ist entscheidend, sondern die zu lösende
Aufgabe.
These 9:
Die Informatik durchdringt alle Berufe in vielfältiger
und fundamentaler Weise und hat damit einen wesentlichen Einfluß
auf die wirtschaftliche Entwicklung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit.
Informatische Bildung ist daher der entscheidende Erfolgsfaktor der Zukunft.
These 10:
Folgende Rahmenbedingungen müssen entsprechend
geschaffen werden:
Erfurt, den 23. April 1999
1 Folgende Fachgesellschaften sind derzeit im „Gesprächskreis Informatik„ mit insgesamt 60.000 Mitgliedern vertreten: Anwenderverband Deutscher Informationsverarbeiter e.V. (adi), Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. (DGI), Deutsche Gesellschaft für Recht und Informatik e. V. (DGRI), Gesellschaft für Informatik e.V. (GI), Gesellschaft für Informatik in der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft e.V. (GIL), VDI/VDE-Gesellschaft Meß;- und Automatisierungstechnik (GMA), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS) e.V., VDE/VDI - Gesellschaft für Mikroelektronik, Mikro- und Feinwerktechnik (GMM), Informationstechnische Gesellschaft im VDE (ITG), Österreichische Computergesellschaft (OCG), Schweizer Informatiker Gesellschaft (SI).
2 Kontaktadresse: Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e. V., Ostbahnhofstraße 13, D-60314 Frankfurt am Main, Tel. +49 +69 43 03 13